Irma Trksak

Irma TRKSAK
Geboren am 2. Oktober 1917
Verfolgungsgrund: Tschechischer Widerstand
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Biografische Daten



Irma Trksak mit ihren beiden Brüdern 1937. Stephan (rechts von Irma) starb an der Front und Jan (links von Irma) kehrte nicht mehr aus einem Nebenlager des
KZ Mauthausen zurück



Familie Trksak in den 30er Jahren. Von rechts nach links: Bruder Jan, Mutter Anna, Irma, Bruder Stephan und Vater Stephan


Vorder- und Rückseite der Delegiertenkarte von Irma zum ersten österreichischen Bundestreffen der Politischen Häftlinge von Ravensbrück am 24. Mai 1947


Innenseiten der Delegiertenkarte von Irma zum ersten österreichischen Bundestreffen der Politischen Häftlinge von Ravensbrück am 24. Mai 1947
Kindheit und Jugend
Irma Trksak ist das zweite von vier Kindern des Ehepaares Anna und Stephan Trksak, die vor dem Ersten Weltkrieg aus der Slowakei nach Wien gezogen waren, um hier Arbeit zu finden. Der Vater arbeitete sich nach dem Krieg vom Hilfsarbeiter zum Maschinisten in der Eisfabrik hoch Die Kinder wurden alle in tschechische Schulen geschickt. Nach ihrer Matura am tschechischen Komensky-Realgymnasium – als Mädchen einer Arbeiterfamilie eine Seltenheit – besuchte Irma ein Jahr die pädagogische Akademie in Prag. Sie erhielt dann eine Anstellung als Lehrerin an der tschechischen Volksschule in Wien. Daneben unterrichtete sie in einer slowakischen Sprachschule. Als diese Schulen 1940 geschlossen wurden, begann Irma ein Slawistik-Studium.

Widerstand
Während ihrer Studienzeit engagierte sie sich im Widerstand, zum einen in der Zensurstelle für Briefe in slawischen Sprachen, zum anderen in ihrer Gruppe im „Tschechoslowakischen Turnverein“. Treibende Kraft war Irmas Empörung darüber, als Angehörige einer slawischen Minderheit (und ohne „deutsches Blut“ in den Adern) plötzlich zu Menschen zweiter Klasse degradiert zu werden. Irma und ihr Freund vervielfältigten Flugblätter und verteilten sie, halfen bei Sabotage-Akten der sogenannten Terrorgruppe mit. Immer mehr Mitglieder der Gruppe, zu der auch einer von Irmas Brüdern gehörte, wurden im Laufe der Zeit verhaftet und ohne Prozess in Konzentrationslager geschickt. 20 Mitglieder wurden hingerichtet.

Gestapo-Haft
Am 29. September 1941 wurde Irma verhaftet. Einen Tag später auch ihr Freund Ludwik Štěpánek, bei dem das im Garten vergrabene Abziehgerät gefunden wurde. Während der zwölfmonatigen Haft, wurde sie immer wieder verhört und zum Verrat ihrer MitkämpferInnen aufgefordert. Sie konnte trotz zermürbender monatelanger Einzelhaft und zahlreichen Demütigungen widerstehen. Daher kam Irma mit 13 weiteren Frauen aus der tschechischen Widerstandsgruppe auf Transport nach Ravensbrück.

Haft im Frauenkonzentrationslager
Am 2. Oktober 1942, an ihrem 25. Geburtstag, wurde Irma als Konzentrationslager-Häftling Nr. 14177 registriert. Sie kam mit ihren tschechischen Mitstreiterinnen auf jenem Block unter, in welchem Rosa Jochmann bereits Blockälteste war. Später meldete sich Irma für die Arbeit bei Siemens, wo sie als Schreiberin die Arbeitsleistung der Häftlinge verzeichnen musste. Auch hier leistete sie Widerstand. Sie verfälschte die Statistiken der Arbeitsleistungen der Zwangsarbeiterinnen. So schützte sie diejenigen, die das Arbeitssoll nicht erbringen konnten. Als 1944 ein eigenes „Siemenslager“ direkt neben den Betriebsstätten errichtet wurde – um den „Arbeitsweg“ zu minimieren – wurde Irma Stubenälteste in der „Internationalen Stube“. Sie wie auch die Stubenälteste auf der „Tschechischen Stube“, Marie Karbusová, wurden verraten, weil sie politische Aktivitäten und politische Diskussionen duldeten. Als Strafe wurden sie in die Uckermark versetzt. Dort wurden ab Jänner 1945 alte und kranke Frauen unter noch weitaus schlechteren Bedingungen als im Stammlager Ravensbrück untergebracht. Irmas Verdacht, dass abermals selektierte Frauen vergast wurden und in der Uckermark selbst Gift verabreicht würde, bestätigte sich nach dem Krieg. Mit Hilfe von Elisabeth Thury, Chefin der Lagerpolizei in Ravensbrück, gelang es ihr, wieder ins Hauptlager rücküberstellt und dort Stubenälteste im Block 3 zu werden. Im Chaos der Lagerauflösung Ende April konnten Irma und ihre Freundinnen vom letzten sogenannten Evakuierungsmarsch am 29. April 1945 fliehen.

Leben nach Befreiung
Nach einem langen Heimweg fand sie die Eltern wieder. Von den Geschwistern hatte jedoch nur die ältere Schwester als Au-pair-Mädchen in England überlebt. Die Brüder Jan und Stefan waren an der Front oder im Konzentrationslager gestorben. Ihr Freund Ludwik Štěpánek war in einem Nebenlager von Mauthausen umgekommen. Enttäuscht war sie von Bekannten, NachbarInnen und Anderen, die nichts von den Konzentrationslagern wissen wollten. Auch mit der kommunistischen Partei, für deren Ideen sie in Ravensbrück begeistert wurde, kam es nach vielen Jahren zum Bruch. 1951 brachte Irma einen Sohn zur Welt, beruflich war sie anfangs lange Jahre in der tschechischen Gesandtschaft tätig. Später hat sie die tschechische Zeitung für die KPÖ betreut. Nachdem sie aus der Partei ausgetreten war, wechselte sie in die Privatwirtschaft und arbeitete bis zu ihrer Pensionierung bei Siemens als Sachbearbeiterin. Irma war viele Jahrzehnte engagierte Zeitzeugin in Schulen. Sie hielt Vorträge und stellte sich für Dokumentationen und Reportagen zur Verfügung. 1947 war sie Zeugin in den Hamburger Ravensbrück-Prozessen. Von Beginn an war sie im KZ-Verband tätig. Sie gehörte auch zu den Gründungsmitgliedern der österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück (1947), deren Sekretärin sie zwischen 1984 und 2005 war.



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