Thusnelda Bucher

Thusnelda BUCHER, geb. Held
Geboren am 10. Juli 1898
Verfolgungsgrund: Politischer Widerstand
Biografische Daten
Foto von Thuselda Bucher 1948

Kindheit und Jugend
Thusnelda Bucher wuchs in Wien als Tochter des k.u.k.-Südbahnbeamten Eugen Maximilian Held und der Caroline, geb. Achs, in einem evangelisch-bürgerlichen Milieu auf. Der Vater vermittelte ihr die Liebe zum Theater und zur Bildung, die Mutter formte ihr Gerechtigkeitsempfinden. Thusnelda Held maturierte an einem Mädchengymnasium, was damals noch eine Seltenheit war. Mit 20 Jahren riss sie von zuhause aus und begab sich nach Innsbruck, wo ihr Verlobter, der Wiener Johann Oberleitner, seinen Militärdienst leistete. 1922 heirateten die beiden; aus der Ehe entstammte ein Sohn.

Politisches Engagement
Von ihrem Gerechtigkeitssinn getrieben, näherte sich Thusnelda dem Kommunismus an. Sie trat 1930 der KPÖ bei und war im Frauenreferat der Partei als Funktionärin tätig. Die Ehe mit Johann Oberleitner wurde 1931 geschieden. Thusnelda wandte sich nun vermehrt der Politik zu. 1932 nahm sie auch an der Höttinger Saalschlacht teil, bei der SozialdemokratInnen und KommunistInnen eine Veranstaltung der NationalsozialistInnen gewaltsam verhinderten. Bei dieser Saalschlacht wurde Thusnelda am Kopf verletzt und trug seitdem eine Narbe an der Stirn. Ob sie nach dem Verbot der KPÖ 1933 in der Illegalität politisch tätig war, ist nicht bekannt. 1934 heiratete sie den Zimmermann und KPÖ-Funktionär Romed Bucher und nahm dessen Nachnamen an. Im selben Jahr kam auch ihr gemeinsamer Sohn Romed zur Welt. Ihr Mann Romed Bucher war jedenfalls illegal tätig und musste deshalb zahlreiche Arreststrafen verbüßen. 1936 emigrierte er in die Sowjetunion, schon zwei Jahre später kehrte er wieder nach Innsbruck zurück. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen im März 1938 versuchte er unterzutauchen, wurde aber erkannt, von der Straße weg verhaftet und ins KZ Dachau eingeliefert. Thusnelda musste sich deshalb fast immer allein um ihre zwei Söhne kümmern.

KZ-Haft
Am 1. September 1939 wurde auch sie von der Gestapo verhaftet und in sogenannte „Vorbeugehaft“ genommen. Sie war nur fünf Tage im Polizeigefängnis „Sonne“ in Innsbruck inhaftiert, bevor sie über Salzburg, Weimar und Halle an der Saale ins Frauen-KZ Ravensbrück deportiert wurde. In Ravensbrück musste sie zuerst die harte Arbeit des Sandschippens verrichten, später kam sie für kurze Zeit in der Küche unter. Danach war sie im Büro der Effektenkammer tätig, wo die Zivilkleidung und persönlichen Gegenstände der Häftlinge gelagert wurden. Nach Aussage ihres Sohnes hatte sie stets einen verhältnismäßig angenehmen Schreibtischposten, was wesentlich zum Überleben der sechsjährigen KZ-Haft beitrug. Als gegen Kriegsende die Rote Armee näher und näher kam, wurde Thusnelda am 28. April 1945 mit den anderen Häftlingen aus den Baracken getrieben und auf einen Evakuierungsmarsch geschickt. Diese Evakuierungen werden auch Todesmärsche genannt, weil dabei Häftlinge, die zu langsam gingen, einfach erschossen wurden. Am 29. April 1945 konnte Thusnelda bei Neustrelitz vom Todesmarsch fliehen und sich im Wald verstecken, bis die Sowjetische Armee auftauchte. Sie kehrte ins inzwischen befreite Lager Ravensbrück zurück, weil sich dort ihre österreichischen Kameradinnen aufhielten. Thusnelda arbeitete eine Zeitlang in der Küche des befreiten Lagers, bis sie schließlich mit den anderen Österreicherinnen die Heimreise antreten konnte.

Rückkehr nach Innsbruck
Mit Autobussen, die Rosa Jochmann inzwischen aus Wien organisiert hatte, konnte sie nach Wien fahren und etwas später mit ihrer Haftkameradin Carmella Flöck nach Innsbruck heimkehren. Nach dem Krieg war Thusnelda wieder für die KPÖ tätig. Ihr Mann hatte das KZ Dachau überlebt und war langjähriger KPÖ-Landesparteiobmann. Thusnelda Bucher starb am 1. Juli 1970 in Innsbruck.

© Friedrich Stepanek

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