Käthe Anders


Katharina (Käthe) ANDERS,
geb. Sommer

Geboren am 27. Jänner 1924
Verfolgungsgrund: politischer Widerstand
Biografische Daten



Amtsbescheinigung von Katharina Anders (Quelle: Magistrat der Stadt Wien MA 12, Opferfürsorgeakt)


Auskunft der MA 8 über die Haft- und Meldedaten von Käthe Anders (Quelle: Magistrat der Stadt Wien MA 12, Opferfürsorgeakt)

Aufwachsen unter ärmlichsten Verhältnissen in Wien
Käthe Anders war als erstes Kind der Eltern Maria und Paul Sommer am 27. Jänner 1924 in Wien geboren worden. Die Eltern ließen sich noch vor ihrer Geburt scheiden. Käthe wuchs abwechselnd bei der Mutter, beim Vater und in Pflegefamilien unter ärmlichsten Verhältnissen auf. Die Mutter arbeitete hart als Schneiderin in Heimarbeit und Wäscherin, dennoch reichte das Geld nicht. Teilweise mussten die Kinder betteln gehen. Nach der Pflichtschule begann Käthe sofort zu arbeiten. Als sie die ihr zugewiesene Arbeitsstelle bei einem SS-Offizier unerlaubt verließ, wurde sie kurz darauf in ein Erziehungsheim in Wien eingewiesen.

Politisches Erwachen und Inhaftierungen
Käthe machte ihr politisches Erwachen an einer schockierenden Beobachtung fest. Sie sah, wie der jüdische Hausarzt, der ihre Familie jahrelang kostenlos betreut hatte, Sprüche, die gegen die Nazis gerichtet waren, vom Gehsteig in der Linzer Straße entfernen musste. Im Erziehungsheim, in das sie im April 1940 gesteckt wurde, streute sie gemeinsam mit drei weiteren Mädchen Flugzettel aus dem Fenster. Sie ritzte sich „Heil Moskau“ auf ihre Hand und beschmierte Führerbildnisse. Die Folge war eine 10-monatige Einzelhaft im Gefängnis des Wiener Jugendgerichts (6.9.1940 – 18.6.1941). Käthe wurde nach dem Heimtückegesetz zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt und nach Verbüßung der Haft ins Erziehungsheim Hirtenberg gebracht. Der Anstaltsleiter beschuldigte sie, ihre Lähmungserschei-nungen aufgrund einer falsch behandelten Diphterie zu simulieren. Sie beschimpfte ihn daraufhin als „Nazischwein“. Käthe Anders vermutete, dies sei der Grund für ihre Deportation ins KZ Uckermark im Juli 1942 gewesen.

„Im ersten Winter hatte ich noch Widerspruchsgeist“ – Das KZ Uckermark
Käthe war unter den ersten Häftlingen in der Uckermark. Sie hatte die Nummer 78. In einer Radiosendung erinnerte sie sich an die Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten im Jugend-Konzentrationslager. Die Aufseherin Magdalena Reisch, „ein böser Zwerg“, bestrafte Käthe mit sechsmonatigem Schreibverbot sowie zwei Wochen Nachtmahl-Entzug, nachdem sie sich empört hatte, dass eine Bettnässerin in der winterlichen Kälte im Freien Strafe stehen musste. Die Tage waren ausgefüllt mit Schwerstarbeit: die Sümpfe an der Havel trocken legen und Holz hacken. Dazu kamen andere Schikanen, wie mutwilliges Wecken in der Nacht oder einen ganzen Sonntag lang um die Baracke marschieren müssen. Die Mutter stellte ein Gnadengesuch, worauf Käthe im Mai 1944 aus der Uckermark entlassen wurde. In der Radiosendung sagte sie: „Das war mein Glück. […] Ich hätte den dritten Winter nicht mehr überstanden.“ Nach ihrer Rückkehr nach Wien, wo sie sich zweimal wöchentlich bei der Polizei melden musste, erkrankte sie schwer.

Der Kampf um Haftentschädigung und die Mühsal des Lebens
Die österreichischen Behörden bescheinigten Käthe eine 50-prozentige Erwerbsverminderung aufgrund ihrer KZ-Haft. Sie konnte aber ihre Haft in der Uckermark nicht belegen, da es keine Listen der Inhaftierten in der Uckermark gab bzw. gibt. Noch 40 Jahre später hatte man ihr Gesuch auf Anerkennung der Haft in der Uckermark mangels Beweisen abgewiesen. Zudem wurde angezweifelt, dass sie aus politischen Gründen inhaftiert gewesen sei. Das Meldeamt der Stadt Wien vermerkte am 11. Juli 1942: „als asoziale Minderjährige dem Jugendschutz-lager Uckermark, Bez. Fürstenberg eingeliefert“. Aufgrund ihrer Armut erhielt Käthe Anders 1984 durch den Härteausgleichsfonds des Sozialministeriums eine Haftentschädigung. Käthe Anders war seit der Gründung des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands ehrenamtliche Mitarbeiterin. Sie engagierte sich auch in der Österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück, wo sie von 1984 bis 1986 zweite Kassierin war. Darüber hinaus stellte sie sich als Zeitzeugin zur Verfügung. Sie hatte nach dem Lager sehr oft „Todessehnsucht“, sagte Käthe Anders, insbesondere als ihr die Ärzte eröffneten, dass sie keine Kinder bekommen könne. „Ich muss dankbar sein, dass ich lebe, aber leicht war es nicht. Aber die, die umgekommen sind, die hatten es hinter sich. Ich bin um die ganze Kindheit, die Jugend betrogen worden und um das ganze Leben dann. Das kann man nicht einfach wegstecken.“

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